Finde Deine Stimme

in Gewohnheit & Tugend, via zenhabits

Original-Artikel “Finding Your Voice” von Leo Babauta, Zen Habits
in deutscher Übersetzung von Thomas Bagusche. Folge mir auf Twitter.

 

Kreative jeder Art müssen ihre Stimme finden.

Wir sind Autoren, Musiker, Designer, Programmierer, Eltern, Erbauer von allem Möglichen. Aber wir drücken uns solange nicht wirklich selbst aus, und sprechen die Wahrheit, bis wir unsere Stimme gefunden haben: den Ton, den Stil, den Tenor, die Tonlage, unsere Persönlichkeit, die wir nutzen um uns selbst auszudrücken.

Unsere Stimme ist unser Wesen, ein einfacher Schriftsatz, der für die Welt sichtbar ist.

Ein Leser und Autorenkollege fragte mich, wie ich meine Stimme gefunden habe. Und ich habe keine einfache Antwort – Ich bin mir überhaupt nicht sicher, ob ich sagen kann, dass ich schon endgültig meine Stimme gefunden habe. Es ist eine Suche, die nicht zu enden scheint – keine Gralssuche, wirklich, aber ein ständiges Umstimmen, so als ob sich die Essenz dessen, was oder wer ich bin unaufhörlich ändert.

Aber ich habe etwas gefunden, das die Beschaffenheit von Wahrheit hat, auch wenn nur als fühlbare Annäherung. Ich werde hier einige meiner Gedanken teilen, aber bedenke, dass ich bestimmt nicht irgendwelche Antworten habe.

Ich lerne noch und ich hoffe mein Lernen hilft Deinem. Das hier ist für Autoren geschrieben, aber die Ideen sind für jeden gleich, der irgendetwas kreiert.

Schreibe viel. Das ist fast alles, was ich zu sagen habe, da nichts als die ständige Übung des vielen Schreibens zählt. Schreibe Blog-Artikel und Briefe, Büchlein und Hetzreden, Leserbriefe und Buchrezensionen, Liebesgedichte und Kurzgeschichten, Romane und Manifeste. Die reine Masse Deines Schreibens wird der Rohstoff aus dem Du Deine Stimme meißelst.

Experimentiere verwegen. Klaue auch bei den Großen und Guten. Mach es Dir zu eigen. Versuch und Irrtum.

Lerne Dich selbst zu hören. Meine Schreibstimme ist wirklich die Stimme in meinem Kopf. Sie ist nicht, wie ich normal rede, sondern, wie ich in der geräuschvollen Höhle meines Schädels zu mir selbst spreche. Ich höre meinen Selbstgesprächen zu, im Inneren, und das ist die Stimme, die ich versuche niederzuschreiben.

Diese Stimme aus Deinem Kopf auf das virtuelle Papier zu bekommen – das ist der Trick. Es ist nicht einfach, aber noch einmal, mach es oft und Du wirst geübt darin. Es ist eine Neuverdrahtung der Synapsen, so dass Deine Kopfgedanken in Deine Fingerspitzen herunterschiessen und als Tipp-Bewegung zum Vorschein kommen, als Bits und Pixel. die meisten Menschen tun es nicht oft genug, um darin gut zu werden und so gibt es da wenig Klangtreue.

Finde heraus, was sich echt anfühlt. Du wirst eine Menge schreiben und das meiste davon wird Bullshit sein. Du brauchst den Bullshit, wenn Du die Wahrheit finden willst. Durchsuche den Bullshit bis Du lernst, die Wahrheit zu erkennen, mit dem Gefühl und nicht mit logischen Kriterien. Die Wahrheit sieht außergewöhnlich aus, wie Bullshit.

Finde Klarheit. Gutes Schreiben, sagt man oft, ist klares Denken. Wenn Dein Denken verworren ist, wird es Dein Schreiben auch sein. Ich würde Dir gerne einen Selbstlernkurs in Logik empfehlen, aber in Wirklichkeit habe ich herausgefunden, dass es eine Frage der Vereinfachung (simplifying) ist. Übe die unwesentlichen Ideen und Wörter zu entfernen, bis Du nur noch das hast, was benötigt wird, um einen einfachen Gedanken auszudrücken.

Entferne den Lärm. Es ist mehr ein Prozess der Subtraktion, als der Addition. Die meisten Menschen enden mit zu vielen Wörtern, weil sie nie substrahiert haben. Der Lärm steht Deiner Stimme im Weg, also beschränke ihn, schneide die Störgeräusche aus dem Busch, bis Du nur noch die Wahrheit hast. Ich substrahiere heutzutage in meinem Kopf, aber das kommt durch die Jahre der Übung. Nachdem Du geschrieben hast, editiere und entferne den Lärm.

Die meisten Menschen haben auch zu viel Lärm in ihrem Leben um ihr eigenes Denken zu hören. Zu viel geht um sie herum und online und sie haben keine Zeit für Abgeschiedenheit. Du kannst ohne Abgeschiedenheit Deine Gedanken, Deine Stimme nicht hören. Entferne den Lärm, die Störungen auch aus Deinem Leben.

Nutze Deine Stimme. Du steigst nicht in die Suche nach Deiner Stimme ein, nur um der Schönheit willen – ein nobles Streben, aber das ist nicht genug.

Du musst Deine Stimme benutzen. Nutze sie, um Dich selbst auszudrücken, um anderen zu helfen, um die Welt zu verändern.

Ich schreibe über Einfachheit in einer Welt, die unnötig kompliziert ist.

Ich schreibe über Minimalismus, um die Flut des Konsumismus einzudämmen.

Ich schreibe über Zufriedenheit, weil zu viele einen Mangel daran spüren.

Ich schreibe über Veganismus, weil mein Herz an der Grausamkeit unseres Nahrungssystems zerbricht.

Ich schreibe über Unschooling, um Kindern zu zeigen, dass sie keine Lehrer brauchen, außer sich selbst.

Ich schreibe über Anarchie in einer zunehmend totalitären Welt, speziell in dem anwachsenden Privat-Sektor.

So nutze ich meine Stimme. Wie wirst Du Deine Stimme nutzen?